Einige Gedanken zu Weihnachten und dem Jahreswechsel 2020

Es ist Dezember, das heißt um 16 Uhr wird es sukzessive dunkel, es ist kalt und meistens nass. Normalerweise wäre ich in diesem Monat zwei Wochen im Trainingslager auf den Kanarischen Inseln, vermutlich auf Lanzarote. In den ersten Adventstagen und kurz vor der Weihnachtszeit hätte ich außerdem das eine oder andere Mal einen Weihnachtsmarkt besucht. Zwar bin ich kein übermäßiger Fan dieser häufig zu Fress- und Sauforgien ausartenden Versammlungen, aber ein wenig Besinnlichkeit und weihnachtliches Flair kommt dort doch auf. Beides – das Trainingslager und die Weihnachtsmärkte – gibt es in diesem Jahr 2020 nicht.
Und damit sind mitnichten die größten oder schmerzhaftesten Entbehrungen benannt. Man könnte das nun wieder nicht stattfindende Schwimmtraining ergänzen, die Einschränkungen im Alltag und vor allem die sozialen Auswirkungen durch die Kontaktbeschränkungen. Aufgrund dieser haben wir – meine Freundin und ich – beschlossen, in diesem Jahr auf die üblichen gemeinsamen Festlichkeiten im großen Familienkreis zu verzichten. Es wird lediglich eine sehr abgespeckte Version geben, ohne Kontakt zur Großmutter, die mit 90 Jahren definitiv zur Hoch-Risiko-Gruppe zählt und auch ohne familiäres Beisammensein in der größeren Familie meiner Freundin. Stattdessen wird es einen kleinen Stopp vor Ort mit einem längeren Spaziergang an der frischen Luft geben, aber keine Aufenthalte im geschlossenen Haus. Damit versuchen wir, im Rahmen unserer Möglichkeiten, einen vernünftigen und verantwortbaren Weg zu finden. Als Sportler habe ich grundsätzlich eine gewisse Aversion gegen Krankheiten. Ich bin zwar kein Hypochonder. Dennoch habe ich auch vor dieser Pandemie nur ungern und sehr selten Hände geschüttelt oder Türklinken mit der nackten Hand betätigt. Das Hände-Schütteln als tradiertes gesellschaftliches Verhaltensmuster wird vermutlich auf sehr lange Zeit, wenn nicht gänzlich verschwinden. Und auch in vielen anderen Bereichen wird es Änderungen geben, so wie jede größere Krise einen Wandel hervorbringt. Sei es der Duktus der Sparsamkeit nach der Ölkrise 1973, oder die Erkenntnis der Notwendigkeit einer Regulierung und Kontrolle des Banken- und Finanzsektors nach der sogenannten „Finanzkrise 2008“. Inwiefern der Wandel wirklich vollzogen wurde, sei dahingestellt. Kurzum – es sollte darum gehen, die Entbehrungen, negativen Dinge und Defizite in einem positiven Sinne konstruktiv zu nutzen. (zur psychologischen Betrachtung dieser Thematik siehe die Kolumne vom November.)

Dementsprechend versuchen wir auch das momentane Training zu gestalten. Einerseits stehen der Formaufbau und die Weiterentwicklung der Leistungsfähigkeit im Fokus, andererseits muss den eingangs erwähnten Umständen – Dunkelheit, Kälte, Nässe usw. –  Rechnung getragen werden, um das Risiko einer Erkältung gerade in dieser besonders schwierigen Zeit möglichst klein zu halten. Eine Diversifikation beziehungsweise Mischung aus Indoor- und Outdoor-Einheiten ist hilfreich. Neben dem klassischen Rollentraining, welches eine sehr präzise Steuerung zulässt, ist das Laufbandtraining im Studio ein gutes Mittel, ebenso wie die Athletik- und Kraftübungen unter Konrads Anleitung. Aber natürlich dürfen auch abwechslungsreiche Mountainbike-Ausfahrten oder lange Geländeläufe nicht fehlen. Dabei lernt man immer wieder die traumhaften Trainingsbedingungen in und um Jena zu schätzen.
Gemeinsame Trainingswettkämpfe wie der klassische Silvesterlauf oder das 100X100 Schwimmen direkt nach Weihnachten fallen in diesem Jahr logischerweise auch aus. Aber es sind die Gedanken an irgendwann wieder stattfindende Wettkämpfe, die jede einzelne Einheit auch im Regen oder spätnachmittags bei Dunkelheit lohnenswert machen und die nötige Motivation spenden. Es müssen eben nicht immer die kanarische Sonne und konstante 25 Grad sein; es muss nicht immer alles möglich gemacht werden, indem man eben mal kurz zum Trainieren auf eine Insel fliegt. Im Gegenteil, man lernt durch den Verzicht neben der hiesigen Natur, dem Wald und der frischen Luft auch die kleinen, elementaren Dinge wieder mehr zu schätzen. So sollten wir dankbar sein, dass wir überhaupt in der geistigen und körperlichen Verfassung sind, Sport zu treiben, statt im Sinne des „Wir bleiben zu Hause“ ein Couch-Potato zu werden und schlussendlich wie unser lieber Wirtschaftsminister auszuschauen – seine politische Kompetenz sei damit nicht bewertet oder gar in Frage gestellt.

2021 wird wieder neue Herausforderungen mit sich bringen, aber nach den Hürden, die wir 2020 gemeistert haben, sollten wir davor keine Angst haben und unsere guten Vorsätze auch beibehalten. Und wenn die irre Knallerei zum Jahreswechsel dieses Mal gänzlich oder zumindest moderater ausfällt, ist damit doch schon ein kleiner Wandel hin zu mehr Zeitgeist aus der Krise entstanden.

In diesem Sinne wünschen wir, auch im Namen des gesamten KS-SPORTSWORLD Teams frohe und besinnliche Weihnachten und einen im Rahmen der Möglichkeiten angenehmen „Rutsch“ in das neue Jahr!

Autor: Christian Altstadt

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