Trainingslager in Corona-Zeiten

Zum Jahreswechsel hatte ich von der Sehnsucht nach dem üblichen DezemberTrainingslager berichtet und schlussendlich festgestellt, dass man sich auch ohne kanarische Sonne und über 20 Grad irgendwie arrangieren kann. Da sich zum Jahresbeginn allerdings abgezeichnet hatte, dass eine Lockerung des zweiten Lockdowns nicht in Sicht ist, dieser im Gegenteil durch die immer schlechter werde Infektionslage eher noch verschärft werden würde, beschloss ich Anfang des Jahres doch, mich um ein klassisches Trainingslager zu kümmern. So buchten mein Freund und Trainingspartner Hubert Hammerl und ich direkt am 01. Januar zwei Wochen Lanzarote (Costa Teguise). Wir überlegten nicht lange. Danach merkten wir nach und nach, dass doch einiges anders ist in diesem Jahr. Angefangen von der Frage nach den Einreisebestimmungen, über das Thema der Corona-Tests bis hin zur Flugproblematik. Letztere holte uns rasch ein, denn einige Tage nach der Buchung kam schon eine Mail von Ryanair mit der Stornierungsmitteilung für unseren Rückflug. Wir ließen uns nicht beirren und buchten kurzerhand um, allerdings war der einzige verfügbare Flug von Lanzarote zurück nach Frankfurt im Januar am 07. Dies würde bedeuten, wir hätten nur eine Woche statt der eigentlich geplanten zwei. Lohnt sich dafür der ganze Aufwand? Also buchten wir noch einen Rückflug am ursprünglichen Datum (24.01.) mit der TUI-Fluggesellschaft.
Anschließend musste das Problem des Corona-Tests behoben werden. Hubert hatte hier glücklicherweise einen guten Kontakt zu einer Sportärztin in Jena, die uns sehr zuvorkommend half. So hatten wir am Ende unseren (negativen) Test, der wiederum nicht älter als 72 Stunden sein durfte, aber auch noch vor unserer Abreise fertig sein musste – kein leichtes Unterfangen angesichts der Auslastung der Labore. Durch Zufall entdeckte Hubert, dass man eine bestimmte App braucht und dort diverse Daten eintragen muss, um überhaupt in Spanien einreisen zu dürfen. Auch diese kleine Hürde meisterten wir.

Als wir Samstagabend dann schließlich in Jena losfuhren, war die Ungewissheit durchaus vorhanden, ob wir denn erstens überhaupt auf Lanzarote angekommen würden und zweitens dort normal trainieren würden können. Gleiches sollte für die Rückreise gelten, doch dazu in der nächsten Kolumne mehr. Erstaunlicherweise klappte in Frankfurt alles sehr reibungslos. Wir waren zwar viel zu früh am Flughafen, aber besser so als andersherum. Auch dies sollte bei der Rückreise anders verlaufen…Abflug war gegen 7 Uhr morgens, wir waren aber wie gesagt bereits am Abend losgefahren. Daher gab es noch Aufenthaltszeit in Frankfurt. Uns fiel sofort auf, wie ungewöhnlich leer der Flughafen war. Keine langen Schlangen, keine Menschenmengen, kein hektisches Treiben. Es ist schon unglaublich, wie ein Virus auf den Alltag der gesamten Menschheit wirkt. Der Vorteil war, dass wir extrem schnell durchkamen und am Ende in einem Flugzeug saßen, dass mit ca. 25 statt der üblichen knapp 200 Personen besetzt war. Jeder konnte sich eine Reihe aussuchen und ein bisschen dösen.

Die Einreise am Flughafen in Arecife war durch strengere Kontrollen geprägt, mir wurde kurz Temperatur gemessen und mein PCR Test genau angeschaut. Auch der Transfer zum Hotel – dem Sands Beach, wo wir im Januar 2020 mit Mike bereits waren – klappte reibungslos. Auffällig war, dass auf der Insel wirklich alle eine Maske trugen, egal ob Passanten oder Arbeiter auf dem Feld. Außerdem war die Insel außergewöhnlich grün. Vermutlich hatte es viel geregnet und in der Tat sollte es auch während der ersten Tage hin und wieder ein bisschen regnen. Ungewöhnlich für Lanzarote. Während der vergangenen vier Jahre war ich stets durch strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel verwöhnt worden. Aber auch mit etwas schlechterem Wetter als üblich waren die Trainingsbedingungen um Welten besser als bei 0 Grad Kälte und Regen. Und das Wetter wurde dann immer besser, sodass es rasch den blauen Himmel und knapp 20 Grad gab. Einzig der Pool war wohl corona-bedingt sehr kühl mit nur 21 Grad, sodass das Schwimmen ausschließlich mit Neo stattfinden musste. Dafür hatten wir vom Appartement zum Pool genau fünf Meter Fußweg. Und mit Neo Schwimmen ist wohl besser als überhaupt nicht zu schwimmen.

Das Hotel war insgesamt kaum ausgelastet und auch die gesamte Insel so leer wie noch nie. Für das Training sollte das kein Nachteil sein, im Gegenteil. Insgesamt waren es sehr erfolgreiche zwei Wochen ohne nennenswerte Probleme. Schwimmen meistens früh vor dem Frühstück, anschließend immer mindestens drei Stunden Radfahren, häufig vier oder auch mal über sechs Stunden und anschließend Laufen auf der Promenade am Meer im Sonnenuntergang. Einziges Trübsal sollte die Frage sein, wofür konkret man so viel trainiert, denn ein konkretes Wettkampfziel ist leider nach wie vor nicht in Sicht. Die Zeit verging auf jeden Fall sehr schnell und unsere Rückreise stand bevor. Dazu im Folgenden mehr.

 

Autor: Christian Altstadt

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